Wehre und Schleusen regeln den Wasserstand, Fotos: Edda Gutsche

Lautlos gleitet der Spreewaldkahn mit Elektroantrieb den Amtmannkanal entlang. Auf den schmalen Dämmen steht Schilf, durchwirkt von Goldregen und Wasserdost. Hier und da blühen Seerosen, lassen Bäume ihre dicht belaubten Äste übers Wasser hängen. Ein Silberreiher steigt auf, etwas weiter ertönt das »ki-ärrr« der Flussseeschwalbe. – Ingo Warmt, der hier im Einklang mit der Natur lebt und arbeitet, schippert seit dem Jahr 2000 die Besucher durch das Vogelschutzgebiet Oberes Rhinluch. In jenem Jahr hatte der in Linum ansässige Fischereibetrieb ein Solarboot gekauft. Als der Betrieb neun Jahre später die Bootsfahrten einstellte, nahm Warmt die Sache selbst in die Hand und wurde »Amtmannschiffer«. Warmt arbeitet auch beim Vogelschutz-Komitee e. V., das sich die Bewahrung der biologischen Vielfalt als Ziel gesetzt hat. »Das Vogelschutz-Komitee kauft Ländereien auf, die noch immer reichlich von der Treuhand angeboten werden, um der intensiven Landwirtschaft entgegenzuwirken und sorgt mit dafür, dass Vogelschutzgebiete entstehen und die Natur sich natürlich entwickeln kann«, sagt Warmt. »Das erworbene Land wird teilweise an Landwirte verpachtet, die extensive Landwirtschaft betreiben. Aber das Vogelschutz-Komitee hat dann ein Wort mitzureden.« Die Bootsfahrten mit Besuchergruppen sind für ihn gleichzeitig Inspektionsfahrten. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von acht Kilometern pro Stunde lässt sich die Natur gut beobachten.

Mit dem Spreewaldkahn durch das Linumer Teichland

»Das Linumer Teichland ist ein wahres Vogelparadies«, schwärmt Warmt, »180 Vogelarten sind hier registriert: Eisvogel, Beutelmeise, Zwirl, Schilf-, Teich- und Drosselrohrsänger, Graugänse, Schwäne, diverse Arten von Enten, Graureiher, Silberreiher.« Und nicht umsonst ist das knapp eine Autostunde vom Berliner Stadtzentrum entfernte Linum als »Storchendorf« bekannt. Die meisten Ausflügler kommen jedoch im Herbst, um die Kraniche zu beobachten, die hier den größten Binnenrastplatz Europas haben. 80.000 bis 90.000 wurden an einem Tag gezählt. Sie schlafen in den flachen Teichen oder auf überschwemmten Wiesen, fliegen morgens auf die Maisfelder und kehren abends zurück. Kraniche werden wöchentlich gezählt, bei Gänsen geht das nicht. Die schlafen nämlich auch am Tage auf dem Wasser. Zu den im Teichland brütenden Graugänsen kommen zur Zeit des Vogelzugs noch Saat- und Blässgänse hinzu. Ebenso wie die Graugänse sind auch viele Kraniche ständige Bewohner des Teichlands, einige überwintern sogar. Im Sommer sind manchmal kleine Schwärme von Jungkranichen zu sehen, die noch nicht geschlechtsreif sind. Die See- und Fischadler brüten im Umkreis von zehn Kilometern, die Flussseeschwalben errichten ihre flachen Nestmulden auf künstlichen Inseln der Teiche. Leider haben die Wasservögel wenig Nachwuchs, woran die Waschbären »schuld« sind. Biber, Fischotter, Mink, Marderhund und Wildschwein sind weitere Bewohner des Teichlands, auch Bisamratten kommen vor. Neben Ringelnattern haben hier auch viele Froscharten ihren Lebensraum, darunter die geschützte Rotbauchunke.
Ursprünglich gab es bei Linum 58 Torfstiche. Der Torf, der um 1790 entdeckt wurde, hat für die Entwicklung des Dorfes eine große Rolle gespielt. Um das begehrte Heizmaterial in Richtung Berlin und Potsdam abzutransportieren, wurde 1836 mit dem Bau des Amtmannkanals begonnen. Als um 1890 die Kohle aufkam, wurde immer weniger Torf gestochen. Zehn Jahre später wurden in einem Torfstich Karpfen ausgesetzt – mit Erfolg. Bis 1906 entstanden dann die ersten zwölf Karpfenteiche. Heute sind sie für die Fischzucht viel zu groß. 2015 hat ein Hamburger Unternehmer im Ruhestand die Teiche aufgekauft und eine Naturstiftung gegründet. – Das Vogelschutz-Komitee e. V. hat die Teiche gepachtet. Sie liegen hinter den Dämmen des höher gelegenen Kanals und sind zum Teil schon zugewachsen. Ein Grund dafür ist das Fehlen intensiver Fischwirtschaft. Das Teichland erstreckt sich bis zur Einmündung des Amtmannkanals in den Alten Rhin. Die weiten Wiesenflächen beiderseits des Rhins werden zur Kranichzeit überschwemmt und dienen den Vögeln auf ihrem Zug als Schlafplätze. Wer mit dem Amtmannschiffer die Gegend erkunden möchte, kann Touren von einer bis zwei Stunden buchen. Sechs Personen müssen es sein, 25 haben auf dem Kahn Platz, die Saison dauert von Mai bis Oktober.

Amtmannschiffer Ingo Warmt
T (0162) 19 96 34 8 oder (033922) 50 29 0
M ingowarmt@gmail.com
www.linumerwassertouren.de

 

Kommentare sind geschlossen.