Foto: Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Teil 6 präsentiert einen »Auftakt«, denn im Mittelpunkt steht Potsdam-Babelsberg. Dort wurde etwa das Filmorchester Babelsberg gegründet, das Musikgeschichte schrieb.
friedrich entführt auf eine Zeitreise in die Historie des Stadtteils, der böhmische Wurzeln hat, an die bis heute vieles eindrücklich erinnert.
Die Landeshauptstadt Potsdam stellt Veranstaltungen der Jahreskampagne vor, die unter anderem das bis heute reiche Kulturleben des Stadtteils vorstellen.

Unter Friedrich II. sollte jeder »nach seiner Façon selig werden«. Darum gewährte der König auch den in ihrem Heimatland wegen ihres evangelischen Glaubens verfolgten böhmischen Webern und Spinnern in Preußen Zuflucht. Allerdings holte Friedrich die ausländischen Handwerker nicht ganz uneigennützig ins Land, denn er brauchte deren Fachkraft für die Fertigstellung des Neuen Palais. Friedrich siedelte sie in Nowawes, einem Ort östlich von Potsdam, an. Dort kamen 1751 fünfzig böhmische Spinner und Weber mit ihren Familien an. Bereits ein Jahr später ließ der König ihnen vom holländischen Baumeister Jan Boumann eine Kirche errichten, die heutige Friedrichskirche auf dem Weberplatz. Ihr Bau wurde 1752 begonnen und 1753 beendet. Das Besondere an der Kirche ist, dass sie zwei Emporen besitzt, da der Gottesdienst in zwei Sprachen abgehalten wurde: auf Deutsch und auf Tschechisch. Da die klein wirkende Kirche 900 Gläubige aufnehmen konnte, fand der Gottesdienst zweimal statt, einmal vor- und einmal nachmittags. In unseren Tagen erlebte die Kirche einen solchen Ansturm noch einmal kurz vor dem Mauerfall 1989, wo es am Tag ebenfalls zwei Gottesdienste gab.
Kurios ist auch die Form des Weberplatzes, denn als Grundriss findet man sie selten: der Weberplatz ist dreieckig. Eine Anekdote erzählt dazu Folgendes: Als Friedrich gefragt wurde, welche Form der Kirchplatz erhalten solle, warf dieser seinen Dreispitz auf die Erde und sagte: »Diese!« Um den dreieckigen Platz wurden dann die 155 Doppelhäuser angeordnet.
Anfang der 1930er-Jahre wurde der Weberplatz zum Ort politischen Widerstandes: Am 30. Januar 1933 diente er als Sammelplatz für einen Protestmarsch gegen die Machtübernahme Hitlers. Die Demonstrierenden zogen von Nowawes aus in Richtung Stadtschloss. Bei dem Luftangriff auf Potsdam zwölf Jahre später, am 14. April 1945, traf eine Luftmine die Schule am Weberplatz. Sie deckte gleich das halbe Kirchdach mit ab. Bis zum 200. Jubiläum der Kirche 1953 wurde dieser Schaden behoben.
Nowawes, dessen Name durch die Abwandlung des tschechischen Nová Ves, zu Deutsch: »neues Dorf«, entstand, brachte einige bedeutende Persönlichkeiten hervor. So wohnten beispielsweise die Eltern des späteren Hofkomponisten Franz Benda in den Häusern am Weberplatz. Außerdem wurde dort der Schriftsteller und Maler Peter Weiss geboren. 1907 schlossen sich Nowawes und das benachbarte Neuendorf zu Nowawes zusammen. 1924 erhielt Nowawes Stadtrecht. 1938 kam die Villenkolonie Neubabelsberg hinzu. Das so gebildete Babelsberg wurde bereits ein Jahr später zu Potsdam eingemeindet.
Nahe des Weberplatzes – an der Ecke Lutherstraße – steht bis heute der letzte von unzähligen Maulbeerbäumen, die Friedrich II. auf und am Weberplatz für die Seidenherstellung anpflanzen ließ. Seit einigen Jahren befindet sich neben dem Eingangsportal der Friedrichskirche ein Denkmal für den böhmischen Reformator und Philosophen Johann Amos Comenius (1592–1670).

 

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