In dem Großraumbüro des Polizeipräsidiums in Potsdams Gutenbergstraße 67 herrscht konzentriertes Schweigen. Vier Ermittler, zwei Frauen und zwei Männer, sitzen an ihren Schreibtischen und versuchen, einen Mordfall aufzuklären, der sich in der Region ereignet hat. An der Pinnwand hängen Fotos vom Opfer: Die männliche Leiche liegt im Gras und hat einen großen Blutfleck auf der Brust. Weitere Fotos dokumentieren den Tatort, das Ufer eines Sees, in und um den sich tote Fische häufen.
Die beschriebene Situation hat sich glücklicherweise nicht in Wirklichkeit zugetragen, es handelte sich bei ihr um einen Filmdreh. Denn vor Kurzem hieß es in dem ehemaligen Schulgebäude an der Ecke Gutenberg- und Hebbelstraße »Ton ab! – Und bitte!« für eine weitere Szene der neuen Serie Soko Potsdam. Für die Folgen der Krimi-Reihe ist die Landeshauptstadt bereits seit einigen Wochen Schauplatz.
Hauptfiguren der Potsdamer Soko sind die beiden Kommissarinnen Luna Kunath, die von Caroline Erikson verkörpert wird, und Sophie Pohlmann, gespielt von Katrin Jaehne. Der Reiz dieses Duos soll, so die Absicht ihrer Erfinder, darin liegen, dass beide Ermittlerinnen zwar grundverschiedene Charaktere haben – die eine stark, durchsetzungsfähig, lustig und sportlich, die andere älter, reifer und erwachsener, – aber dennoch schon von Kindesbeinen an durch eine enge Freundschaft verbunden sind. An ihrer Figur faszinierte Erikson vor allem, dass sie sich von den Mordfällen stark berühren lasse und dadurch sehr emotional agiere, wie im echten Leben. »Kunath überschreitet in der Wahl ihrer Mittel auch mal Grenzen, um an Informationen zu kommen, das hat mir vom ersten Drehtag an Spaß gemacht.« Und Jaehne betont, sie sei dankbar, eine weibliche Mitermittlerin zu haben. »Dadurch fällt nicht nur der Geschlechterkampf weg, sondern wir bewegen uns auch emtional auf einer ganz anderen Ebene, die vielleicht neue Denkweisen eröffnet.« Ergänzt wird das Potsdamer Soko-Team durch Michael Lott in der Rolle von Chef Bernhard Henschel, Omar El-Saeidi und Christoph Westerman als Ermittler-Kollegen und Yung Ngo, der den Spusi-Experten Thomas Brandner spielt.
Gedreht wird Soko in Potsdams Innenstadt, aber auch in den Randgebieten wie Drewitz, Stern oder Schlaatz. In der Serie soll die Landeshauptstadt schön dargestellt werden, nicht dunkel und düster, wie Regisseur Stefan Bühling erklärt. Insgesamt stelle Soko Potsdam ein anderes Format dar: »Wir wollen damit in eine andere Richtung gehen«, so Produzent Lasse Scharpen. »Es ist ein Soko-Format, aber wir schreiben uns auf die Fahne, sehr glaubwürdig und natürlich zu sein.« Das sei schon am Polizeirevier zu erkennen, das eigens so hergerichtet worden sei, als würde es in der tatsächlichen Welt existieren. Aktuelle politische Diskussionen, die das Stadtbild betreffen, wie der Wiederaufbau der Garnisonkirche oder der Abriss von Fachhochschulgebäude oder Minsk, werden allerdings keine Rolle in den Kriminalfällen spielen – obwohl das sicher einiges Potenzial für einen Krimi-Stoff bieten würde.
Manche der Darsteller kennen Potsdam bereits von früher, etwa Bernd Stegemann, der den Rechtsmediziner Werner Vense spielt und unter anderem im ›Baader Meinhof Komplex‹ zu sehen war. Die anderen haben sich in den Wochen des Drehs in die Stadt verliebt. Hauptdarstellerin Caroline Erikson überlegt sogar, hierher zu ziehen.
Die erste Folge der SOKO Potsdam wird im Herbst im ZDF ausgestrahlt. Ob es nach den ersten Fällen weitergeht, entscheiden die Zuschauer.

Es werden zunächst sechs Folgen von Soko Potsdam produziert. Drehzeit war vom 15. März bis zum 20. Mai 2018. Regie führen Stefan Bühling, der unter anderem für ›Alles was zählt‹, ›Verbotene Liebe‹ und ›Alles Klara‹ Regie führte, und Isabel Braak.

 

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