Mit ›America‹ versuchen Thirty Seconds To Mars die größte aktuelle (Pop-)Rockband zu werden. Zwei Dinge an dieser Aussage deuten bereits auf das Problem hin: Erstens: »Versuchen« zeugt in diesem Fall wirklich davon, es auf Nummer sicher darauf anzulegen. Charismatischer Frontmann (Schauspieler Jared Leto, vgl. Bon Jovi): Check. Hochglanzpolierter Stadionrock: Check. Dazu die Beimischung dessen, was in den letzten Jahren im Durchschnittsradio hoch und runter lief (EDM der Marke David Guetta, eingestreuter Trap-HipHop): Check. Schon haben wir eine maximal erfolgversprechende, ja fast garantierende Mischung. Anbiederndere Alben dürfte es in den letzten Jahren kaum gegeben haben. Zweites Problem: Sie könnten es wirklich schaffen. Denn egal, wie furchtbar überproduziert man diesen Pathosrock findet: Es bleibt hängen wie ein klebriger Kaugummi unter dem Schuh. Weil es natürlich genau seinen Zweck erfüllt. Große Melodien, große Hymnen, Mitklatschpotenzial ohne Ende. Man könnte natürlich in der Zeit, die man mit diesem lauen Album (inkl. zeitgenössischer Politikanspielungen) verschwendet, auch mit der großartigen neuen Platte von Eels (›The Deconstruction‹) verbringen – aber nein, stattdessen gröhlt ›Love Is Madness‹ laut aus den Boxen und man muss mitnicken. Ein furchtbares Dilemma.

 

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