Strodehne bei Tageslicht, Fotos: Christopher Banditt
Friesack, Rathaus
Radarkuppel in Rhinow

Beim Lesen der Überschrift fragt man sich vielleicht, warum es zum Sternegucken unbedingt in dieses Strodehne gehen müsse, den Nachthimmel betrachten kann man doch auch woanders. Kann man – aber nicht so gut wie in der Gegend um den Gülper See. Das Gebiet zählt zu den dunkelsten Flecken in Deutschland, hat also eine ausgesprochen geringe Lichtverschmutzung. Folglich ist das Westhavelland zu Deutschlands erstem »Sternenpark« ernannt worden.
Um in diese im wahrsten Sinne des Wortes »finstere Gegend« zu gelangen, startet man in Wustermark, das mit dem Zug in knapper Zeit von Potsdam aus zu erreichen ist. Der Weg führt durch das bei friedrich-lesenden Radlern (spätestens seit der Juni-Ausgabe 2016) bereits bekannte Nauen und weiter auf dem schönen Radweg entlang der Orte Lietzow und Berge nach Paulinenaue. Dort folgt man der beim Bahnhof abgehenden Ruppiner Straße nach Jahnberge. Wer schon immer mal eine zu DDR-Zeiten errichtete Dorfkirche zu Gesicht bekommen wollte, ist in dieser Ansiedlung genau richtig.
Auf nur wenig befahrenen Straßen geht es westwärts weiter durch die Ortschaften Warsow und Vietnitz in das etwas verschlafene Friesack. Nicht nur soll der Legende nach hier das märkische Adelsgeschlecht der von Bredows wieder aus dem Sack des Teufels in die Freiheit gelangt sein, was der Stadt den Namen gab. Auch trieben ausgehend von der – heute nicht mehr existierenden – Friesacker Burg die Raubritter der Quitzows ihr Unwesen. Doch im Jahr 1414 gebot ihnen der spätere Kurfürst Friedrich I. mithilfe der bei brandenburgischen Geschichtenerzählern legendär gewordenen Kanone namens »Faule Grete« Einhalt. An den Begründer der Hohenzollernherrschaft im Land erinnert daher das 2012 wiedererrichtete Denkmal in Friesack.
Die Fahrt führt nun am Kleßener See vorbei in die Kleinstadt Rhinow. Ein kurzer Abstecher in die Turmstraße erlaubt die Inaugenscheinnahme der Radarkuppel einer Stasi-Überwachungsanlage, mit der seinerzeit bis zu 20.000 Fernsprechverbindungen gleichzeitig abgehört werden konnten. Von Rhinow sind nun nur noch rund 9 Kilometer nach Strodehne zu fahren.
Die Ortschaft selber versprüht einen gemütlich dörflichen Charme. Sie liegt direkt an der Havel, ein Wanderweg führt zum nahe gelegenen Gülper See. Die Sehenswürdigkeiten in Strodehne, wie die Dorfkirche und das Kriegerdenkmal, sind in ihrer Anzahl angenehm überschaubar. Und wirklich spannend wird es ohnehin erst mit Einbruch der Dunkelheit. In einer klaren Nacht bekommt man die Pracht eines Sternenhimmels präsentiert, wie man sie in den immer heller erleuchteten Städten nicht mehr kennt.
Hier verweilt man also gern einen Monat, bevor dann im nächsten friedrich mit dem zweiten Teil der Tour die weitere Route enthüllt wird.

www.sternenpark-westhavelland.de

 

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