Illustration: Daniel Krauß

Eines Tages ist es wieder soweit: Der Holunder blüht. Schnell schnappe ich mir einen Beutel, um die cremeweißen zarten Blütendolden zu ernten. Zu Hause angekommen stelle ich daraus den berühmten Holundersirup her, aus dem ich dann den ganzen Sommer eine erfrischende Limonade zubereite. Oder ich backe die Blüten in einem Eierkuchenteig aus, dem sie dann ihre zartes Aroma verleihen. Ich habe auch schon eine Marmelade aus den Blüten hergestellt, zusammen mit Erdbeeren und Pampelmusensaft. Klingt exotisch, schmeckt aber fantastisch!
Kurz: Kulinarisch bieten sich unendliche Möglichkeiten, außerdem sind die Blüten sehr dekorativ. Mit Holunderblüten verbinde ich rauschende und üppige Gartenfeste, die mit Erdbeer-Holunderblütenbowle erst so richtig gesellig werden.
In der Volksheilkunde hat der Holunderbusch einen wichtigen Platz, wohnt doch die Frau Holle darin. Frau Holle, die für das Wetter und damit für die überlebensnotwendige Ernte zuständig war. Frau Holle, die den beiden jungen Mädchen im Märchen eine gerechte Belohnung für ihren Dienst zukommen lässt. Frau Holle, die zu den Rau(c)hnächten zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige über das Land zieht, die Guten belohnend und die Bösen bestrafend. Frau Holle trägt übrigens regional verschiedene Namen. So ist sie auch als »Perchta«, »Hulda« oder im Havelland als »Frau Harke« bekannt. Kaum verwunderlich also, dass der Hollerbusch den Bauern heilig war. Auf keinen Fall durfte er ausgerissen oder zerbrochen werden, denn dann folgte Frau Holles Strafe alsbald.
Die Volksheilkunde kennt allerlei Anwendungen für die Blüten und auch für die Beeren, die allerdings erst am Ende des Sommers reif sind. So werden die Blüten bei Fieber und Erkältungen als Tee getrunken, denn sie öffnen die Hautporen und erleichtern das Schwitzen. Das hat bei Fieber einen angenehm kühlenden Effekt. Holunderblütentee ist auch ein hervorragendes Getränk für die Sauna. Außerdem wirken sie schleimlösend und erleichtern das Abhusten. Bei ständigen Erkältungen kräftigt Holunderblütentee die Abwehrkräfte. Unterstützen kann man dies noch durch ein Fußbad mit den Blüten. Ein Öl, mit den frischen Blüten angesetzt, eignet sich zur Pflege empfindlicher Haut und beruhigt nach dem Sonnenbad. Eine Gesichtskompresse mit Hollermilch kühlt und macht die Haut besonders weich und geschmeidig.
Um die Blüten in der Erkältungszeit griffbereit zu haben, lohnt es sich, sie zu trocknen. Dafür pflückt man die Blüten (möglichst ohne Blattlausbefall) Ende Mai/Anfang Juni und legt sie zum Trocknen auf etwas Papier an einem schattigen und luftigen Ort aus. Nach ungefähr 10 Tagen können sie in kleine Papiertüren verpackt und lichtgeschützt bis zum Winter aufbewahrt werden. Sie sind ein Jahr haltbar.

Holunder-Rezepte

Holundermilch
30 g frische Holunderblüten 3 Stunden in 100 ml kalter Milch ziehen lassen, abseihen. Ein Tuch oder Waschlappen in der Milch einweichen und auf die Haut auflegen.

Holunderblütenöl
10 frische Holunderblüten in 500 ml Olivenöl 2 Minuten vorsichtig erwärmen. Dann die Blüten absieben. Das Öl sollte dunkel aufbewahrt werden und ist 1 Jahr haltbar. Es beruhigt und pflegt die Haut.

Heilpraktikerin
Susanne Hackel

T (0176) 22 67 77 45
www.susannehackel.de

 

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