Foto: Martin Kaule

Was haben eigentlich Europas größtes Fassadenkunstwerk, die erste auf deutschem Boden errichtete sozialistische Planstadt und Rudi Dutschkes kultiger schwarz, braun und oliv-grün gestreifter Pullover gemeinsam? Na klar! – Das alles lässt sich heute im beschaulichen Brandenburg aufspüren. Wer jedoch nicht die Geduld aufbringen möchte, das fünftgrößte Bundesland unserer Republik auf der Suche nach besagten Zielen planlos zu durchkreuzen, dem sei die neueste Ausgabe des jüngst erschienenen historischen Reiseführers ›Brandenburg 1945–1990‹ ans Herz und am besten auch gleich noch ins Auto gelegt. Konnte man mithilfe dieser kompakten, informativen Reiseführer-Reihe schon das politische Berlin kennenlernen, durch das geschichtsträchtige Potsdam streifen oder die Hinterlassenschaften der NS-Diktatur in Brandenburg buchstäblich erfahren, steht nunmehr für Letzteres der Zeitraum zwischen 1945 und 1990 im Fokus. Es ist die Phase der Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, an dessen Ende Brandenburg zum Schauplatz der letzten Entscheidungskämpfe wurde. Mit der sowjetischen Besatzung und der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik sollte der märkische Boden für mehr als vier Jahrzehnte unter dem Banner des Sozialismus gedeihen. Als Folge der Verwaltungsreform von 1952 und der Bildung der Bezirke Potsdam, Cottbus und Frankfurt/Oder hörte das Land Brandenburg faktisch zu existieren auf. Trotzdem bildete es weiterhin das Umland der politischen Schaltzentralen der DDR. Die Historiker und Fotografen Irmgard Zündorf, Jürgen Danyel und Martin Kaule beschreiben und illustrieren insgesamt 69 markante Orte aus dieser Zeit, von denen jeder politische, wirtschaftliche, kulturhistorische, literarische oder museale Bedeutung hat. Vom Kernkraftwerk Rheinsberg bis zum Museum zur Computertechnik der DDR in Brandenburg an der Havel, vom ehemaligen Jagdschloss Hubertusstock bis zur SED-Waldsiedlung in Wandlitz, von den Schaffens- und Rückzugsorten eines Robert Havemann und Erwin Strittmatter bis zu den Kindern von Golzow, oder von der Brücke der Freundschaft bis zum »Haus am See«: Es gibt (noch) viel zu entdecken.

Jürgen Danyel,
Martin Kaule,
Irmgard Zündorf:
Brandenburg 1945–1990.
Der historische Reiseführer
ISBN: 978-3-86153-996-4
Berlin 2018

 

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