Foto: Melanie Homfray

Eine Schwangerschaft ist spannend, bringt Vorfreude, birgt aber auch Herausforderungen. Letztere zu meistern hilft seit Neuestem Havelhebamme Rike Grudnick. Die Wahl-Werderanerin begleitet ab Oktober dieses Jahres schwangere Frauen und junge Mütter in der Region. friedrich sprach mit der 30-Jährigen darüber, wie sie Hebamme geworden ist und wie sie ihr eigener Herr wurde.

Rike, wie bist du Hebamme geworden?
Nach dem Abitur und zwei Monaten Au-Pair-Zeit in Irland habe ich in Berlin ein freiwilliges soziales Jahr in einer Dementen-WG gemacht. Darüber kam ich zum Studium der Sozialen Arbeit. Während des Studiums in Leipzig merkte ich, dass ich das nicht machen möchte. Da ich den Gedanken, Hebamme zu werden, schon lange mit mir herumgetrug, arbeitete ich während des Sommersemesters probeweise acht Wochen in einem Kreißsaal in Berlin. Ich war so begeistert, dass ich das weiterverfolgen wollte. Darum habe ich dann am Universitätsklinikum in Halle (Saale) eine dreijährige Hebammen-Ausbildung gemacht.

Seit wann bestand bei dir der Wunsch, Hebamme zu werden?
Der ist lange gewachsen. Schwangere Frauen haben mich schon immer fasziniert, und auch privat habe ich mich seit jeher mit dem Thema beschäftigt. Den Entschluss, wirklich Hebamme zu werden, habe ich dann nach dem Kreißsaal-Einsatz gefasst.

Was hast du nach dem Examen gemacht?
Da bin ich nach Leipzig gegangen, wo ich in einer Hebammen-Praxis gearbeitet habe. Da habe ich all das gemacht, was ich auch jetzt als Selbstständige anbieten möchte, Rundum-Betreuung außer Geburtshilfe: Schwangerenvorsorge, Begleitung der Schwangerschaft, Hilfe bei Beschwerden, Kursangebote, Geburtsvorbereitung sowie Wochenbettbetreuung und Rückbildungsgymnastik.

Wie entstand die Idee, sich selbstständig zu machen?
Es herrschte in der Praxis in Leipzig teilweise absolute Überbelastung. Das hat mich an den Rand des Burn-outs gebracht. Es war gut, das mitgemacht zu haben, weil ich jetzt genau weiß, wie viele Frauen ich betreuen kann, um noch gute Arbeit zu leisten. Aber in Zukunft möchte ich selbst entscheiden, wann und wie viel ich arbeite. Außerdem wurde ich selbst schwanger und habe jetzt eine kleine Tochter. Ich hoffe, den Spagat zwischen Familie und Beruf so besser hinzubekommen, als es im Angestelltenverhältnis möglich wäre.

Wie hast du dich dann selbstständig gemacht?
Ich habe im Juli 2017 mein Kind bekommen, seitdem bin ich in Elternzeit, während der ich auch nach Werder gezogen bin. Bei einem Rückbildungskurs dort lernte ich eine Hebamme kennen, die Verbindung zum Familienzentrum in Werder hat. So habe ich nach und nach Beziehungen geknüpft und ein Netzwerk aufgebaut. Ich habe mich auch mit einer Hebamme aus Groß Kreutz zusammengetan, sodass wir uns bei Urlaub oder Krankheit gegenseitig vertreten können.

Was war für dich das Schwierigste bei der Gründung?
Nach wie vor, große Räumlichkeiten zu finden, die ich für meine Kursangebote brauche. Eventuell komme ich im Familienzentrum in Werder unter, aber das ist noch nicht klar. Darum bin ich weiter auf der Suche. Viele Räume sind besetzt oder kommen nicht infrage, weil die Atmosphäre einfach nicht stimmt. Die Frauen sollen sich ja wohlfühlen. Das läuft also alles noch. Aber ich bin optimistisch.

Welches Ziel möchtest du erreichen?
Mein Ziel wäre eine Art kleine Praxis, vielleicht zusammen mit anderen Kurs-Leitern, sodass ich mein Angebot erweitern könnte. Da schaue ich mir demnächst ein Gewerbe in Werder an, das sieht nicht schlecht aus.

Was kannst du anderen Gründern mit auf den Weg geben?
Meldet euch bei Gründungswerkstatt Enterprise (lacht). Witzigerweise hat mich die Hebamme aus Groß Kreutz hierher verwiesen, weil sie selbst von Enterprise begleitet wurde. Sie sagte zu mir, mach das, da kriegt man Struktur in den Kopf. Es ist anstrengend, aber es hilft wahnsinnig. Man bekommt auf jede Frage eine gescheite Antwort. Außerdem lernt man andere junge Gründer kennen.

havelhebamme.de

 

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