Als die Beatles 1966/67 ›Penny Lane‹ aufnahmen, suchte Paul McCartney nach einem Sound, der seinem Song den letzten Schliff geben sollte. Fündig wurde er, als er ein Konzert des Trompeters David Mason hörte, der auf der Piccolo-Trompete ein Stück von Johann Sebastian Bach spielte. Daraufhin wurde Mason in die Abbey Road Studios geholt.
Wer sich ein Instrument wie das aus dem Beatles-Klassiker anschauen oder selbst spielen möchte, kann dem Potsdamer Metallblasintrumentenbauer Martin Schmidt und seinem Sohn Lukas einen Besuch abstatten. In ihrer Meisterwerkstatt Am Hang stellen sie Trompeten, Piccolo-Trompeten und Flügelhörner her. Ihre Instrumente schafften es schon in die ganze Welt: »Die meisten Instrumente verkaufen wir in Deutschland«, erzählt Lukas Schmidt. »Aber wir haben auch schon in die USA, nach Japan, Russland oder Taiwan geliefert.«
Kunden der Schmidts sind sowohl Profi-Musiker als auch Anfänger. Darum sind die Preise für die Instrumente ganz unterschiedlich. »Für Instrumente, die wir selbst gefertigt haben, fangen die Preise bei 1600 Euro an und gehen bis 4500 Euro«, so Lukas Schmidt. »Von anderen Herstellern bekommt man hier günstigere Schüler-Instrumente, aber unsere eigenen konzentrieren sich auf den gehobenen Sektor.« Gebrauchte Instrumente sind Am Hang nicht erhältlich. »Wir reparieren oder vermitteln auch mal, wenn jemand ein Instrument verkaufen möchte. Aber Letzteres ist eher eine Ausnahme.«
Eine Trompete besteht aus über 200 Einzelteilen. Sie alle werden, bis auf die Maschinenblöcke, in der Potsdamer Werkstatt angefertigt. Manche Teile erreichen die Werkstatt im Rohzustand und werden dann nachbearbeitet. Andere Teile stellen Martin und Lukas Schmidt selbst her. Am Ende bauen sie alles zusammen. Bis ein Instrument fertig ist, dauert es eine Woche. »Wir arbeiten meist in Klein-Serien, produzieren also von einem Modell gleich fünf oder sechs Stück.« Die Schmidts bauen mehrere Modelle, die jeweils auf verschiedene Einsätze zugeschnitten sind, etwa für Anfänger, bei denen die Töne leichter einrasten. »Alle Modelle sind über einen längeren Zeitraum entstanden und wurden in Zusammenarbeit mit Musikern weiterentwickelt. Was sich bewährt hat, wurde übernommen«, so Lukas Schmidt. Im Jahr gehen rund 25 Instrumente über den Ladentisch.
Martin und Lukas Schmidt haben beide eine Ausbildung zum Metallblasintrumentenmacher in Markneukirchen im sächsischen Vogtland gemacht. Martin Schmidt gründete 1988 im Potsdamer Holländerviertel seine Werkstatt. Sohn Lukas stieg 2012 ins väterliche Geschäft ein. In den Räumlichkeiten Am Hang befindet sich die Meisterwerkstatt seit zehn Jahren. »Das schöne an unserem Beruf ist, dass man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat«, sagt Lukas Schmidt. »Erst hat man das rohe Teil. Dann setzt man alles zusammen und erzeugt damit einen gewissen Wert.« Auch den Kontakt mit den Musikern lieben die Instrumentenbauer. »Es ist großartig, wenn Musiker bei uns ein schönes Instrument finden, mit dem sie noch mehr Spaß haben.« Zur Zeit wird in der Werkstatt zudem an einem besonderen Projekt gewerkelt: »Wir haben ein eigenes Posaunen-Modell entwickelt, von dem es bereits einen Prototyp gibt. Wenn das klappt, soll es eine Posaunen-Serie von uns geben.«
Übrigens: Dass man mit einer Trompete nicht nur tolle Musik machen kann, sondern sich das Instrument vielseitig einsetzten lässt, beweisen die Werke des Potsdamer Künstlers Rainer Sperl, die die Werkstatt schmücken (siehe S. 66 in diesem Heft).

1988 hat sich der Metallblasinstrumentenmacher Martin Schmidt mit seiner Werkstatt in Potsdam selbstständig gemacht. 2012 stieg Sohn Lukas ins väterliche Geschäft ein. Seit 2008 entstehen Am Hang 2–4 in Potsdam aus Goldmessing, Messing und Neusilber die hochwertigen Blasinstrumente.

www.martin-schmidt-potsdam.de

 

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