Die menschliche Natur ist unergründlich. Wir versuchen sie mit den Gesetzen der Biologie und der Psychologie zu verstehen und in bestimmte Raster zu pressen, die Voraussagen über Verhaltensweisen zulassen. Doch jedes Individuum ist absolut einzigartig beschaffen. Und so ist auch jeder Lebensweg ein nie vorher Beschrittener.
In Idaho, diesem faszinierend verstörenden und zugleich beruhigenden Roman wird das Unerklärliche sichtbar. Aber wie in einem Scherenschnitt konturieren sich nur die Ränder des Geschehens. Das Geschehene selbst bleibt ungreifbar.
Emily Ruskovich erzählt von einer Familientragödie aus der Perspektive von Ann. Deren Ehemann Wade war schon einmal verheiratet und hatte zwei Töchter. Sie lebten auf einem Berg in den Wäldern Idahos. Eines Nachmittags kam es zu einem Aussetzer seiner Frau Jenny, die ihre jüngere Tochter tötet. Die andere Tochter bleibt seitdem verschwunden.
Da Wade an Frühdemenz leidet, ist es Ann, die die Erinnerung für ihn wachhält, die beharrlich versucht, die Ereignisse zu rekonstruieren, die nach der verschwundenen Tochter sucht und schließlich mit Jenny im Gefängnis Kontakt aufnimmt. Neben Anns kommen aber auch andere Stimmen zu Wort, und so entsteht ein komplexes Geflecht aus Schuld, Vergebung, Sühne, Barmherzigkeit und Liebe, das keinen gängigen Klischees entspricht und doch absolut menschlich und nachvollziehbar ist.

 

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