Dorfkirche in Spaatz, Fotos: Christopher Banditt

Nach ausgiebigen Betrachtungen des kristallklaren Nachthimmels im »Sternenpark« Westhavelland (siehe Teil 1 der Tour im letzten friedrich) verlässt man schließlich Strodehne und orientiert sich in südliche Richtung. Der Abstecher über Prietzen erlaubt nicht nur die Inaugenscheinnahme der am Gülper See gelegenen Bockwindmühle, auch führt er in die Ortschaft Spaatz. Die dortige Dorfkirche zählt sicher zu den schönsten im Lande. Gute sieben Jahrhunderte hat der beschauliche Feldsteinbau schon auf dem Buckel; der wohlproportionierte Fachwerkturm stammt aus dem Jahr 1706 und lässt noch Teile seines vom Brand beschädigten Vorgängers erkennen. Stellenweise grün überwuchert und idyllisch eingefasst vom Spaatzer Friedhof mit seinen Tannenbäumen verkörpert die Kirche gleichsam die lange Historie dörflichen Lebens und Bauens in der Mark Brandenburg.
Weiter geht’s – nach Seeblick. Einen ebensolchen genießt man dort am Rande des Hohennauener Sees, bevor einen der Radweg entlang der B 102 nach Rathenow führt. Die »Stadt der Optik« hat einiges zu bieten: neben Bismarckturm und Optikpark, der 2015 einen der BUGA-Standorte bildete, etwa auch die Marien-Andreas-Kirche, deren Turm einen wunderschönen Ausblick über die Stadt erlaubt. Zu ihren Füßen liegt der Stadtkanal mit einer einladenden kleinen Hafenpromenade. Bummelt man hier entlang, so trifft man schnell auf das beeindruckend ausgearbeitete barocke Sandsteindenkmal für den Großen Kurfürsten.

Brandenburger Dominsel

Auch wenn es einen streckenmäßigen Umweg bedeutet, zieht man ab Rathenow den Havel-Radweg der Bundesstraße vor. Linksseitig der Havel radelt man nun durch schöne Landschaften und gemütliche Ansiedlungen, wie beispielsweise Milow mit seinem kleinen historischen Ortskern. Bei Kützkow und Pritzerbe überquert man mit der Fähre wieder die Havel und folgt weiter dem Havel-Radweg bis zum Briester Flughafen. Von da an geht es neben der B 1 in die Stadt Brandenburg.
Hier lernt man im Archäologischen Landesmuseum, dass im 5. und 6. Jahrhundert die germanische Bevölkerung sozusagen als »Wirtschaftsflüchtlinge« wegen besserer Lebensbedingungen im ehemaligen Römischen Reich das hiesige Land verließ. Dieses wurde in der Folge von Slawen besiedelt und verwaltet – bis 1157 Albrecht der Bär die Festung Brandenburg für die Askanier eroberte, sodass die Stadt an der Havel heute als »Wiege der Mark« gilt. Von dieser Zeit kündet noch der Brandenburger Dom, dessen Grundsteinlegung 1165 stattfand.
Mit seinen weiteren wuchtigen Kirchen, dem Roland vorm Rathaus sowie dem Fritze-Bollmann-Brunnen, aber auch mit der Gedenkstätte für die Euthanasie-Opfer der Nazis sollte man Brandenburg unbedingt besichtigen. Und wem das viele Kopfsteinpflaster in der Stadt etwas zugesetzt hat, der lässt sich und sein Fahrrad dann einfach mit dem Regionalexpress nach Hause bringen.

 

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