Foto: Privatbesitz; Konow

Vor 50 Jahren drehten sie ihr erstes Ding: der dänische Kleinganove Egon Olsen und seine beiden Kumpane Benny und Kjeld. Insgesamt vierzehnmal hatte Egon, stets mit Melone und einen Zigarrenstummel im Mundwinkel, einen genialen Plan für den großen Coup – der aber immer scheiterte, sodass Egon am Ende im Gefängnis landete. Zum 50. Jubiläum der Ausstrahlung des ersten Olsenbanden-Films ist im Filmmuseum Potsdam die Ausstellung ›Mächtig gewaltig! – Die Olsenbande kommt nach Potsdam‹ zu sehen. Sie dürfte nicht nur Fans der schrulligen dänischen Kriminellen begeistern.
Zuerst betritt man den »DDR-Bereich«. Dort werden Schriftstücke präsentiert, die Stasi-Vorgänge um die Olsenbande dokumentieren. So hatten Mitarbeiter der Stasi in Gera ein Betriebsfest, für das sie sich eine Art Gedenkalbum anfertigten. Dafür fotomontierten sie ihre eigenen Köpfe in ein Bild von der Olsenbande. Daneben liegen interne Dokumente des Fernsehens und des Filmverleihs aus. »Sie zeigen, was alles unternommen wurde, um die Olsenbande in die DDR zu bekommen«, erklärt Kurator Guido Altendorf. »Denn das war nicht einfach und von dänischer Seite nicht ganz fair.« Auch Sendungen im DDR-Fernsehen, in denen die Olsenbande direkt oder indirekt auftritt, kann man sich anschauen. So wurden in der Samstagabend-Show ›Wenn schon, denn schon‹ die besten Olsenbanden-Doubles aus der DDR gekürt. »Außerdem präsentieren wir einen Briefwechsel, der demonstriert, wie stark sich die DDR-Bürger mit der Olsenbande identifiziert haben«, so Altendorf. Das dürfte an der in den Filmen geschilderten Kleinbürgerlichkeit liegen. »Wie dicht diese an der DDR-Realität war, drückt ein Satz von Egon Olsen aus, der es erstaunlicherweise in die DDR-Synchronfassung geschafft hat: ›Dieses Land ist zu klein für mich, macht damit, was ihr wollt!‹«
Anschließend geht es in eine »Schleuse«. Sie endet sozusagen im Innenhof des Gefängnisses von Albertslund, wo Egon einsaß. Durchquert man das »Gefängnistor«, begrüßen einen via Projektion Benny, Kjeld und Børge. »Man gelangt quasi von der DDR über den Gefängnisdurchgang nach Dänemark«, sagt Altendorf. Danach halten Vi-trinen Leihgaben aus dem Gefängnis bereit. »Im Gefängnis selbst ist nie gedreht worden, man sah nur das Äußere.« Ironischerweise fand in den 1990er-Jahren ein spektakulärer Ausbruch statt, der aus einem Olsenbanden-Film stammen könnte: »Ein Cateringwagen war von den Gefangenen drinnen so gelotst worden, dass er im richtigen Moment in den Innenhof fuhr und an einem Mauerdurchbruch hielt«, erzählt Altendorf. »Von dem Durchbruch haben wir ein paar originale Ziegelsteine.«
Olsenbanden-Fans dürfte im nächsten Raum das Herz noch höher schlagen, denn dort befindet sich ein Modell des Stellwerks aus ›Die Olsenbande stellt die Weichen‹. »Das Original-Stellwerk aus dem Film hat der deutsche Olsenbandenfanclub in einer Wahnsinnscrowdfunding-Aktion vor dem Abriss gerettet. Es wurde am Stück angehoben und verschifft und steht jetzt im Eisenbahnmuseum in Gedser.« Darum ist der Raum nicht zuletzt dem Fanclub gewidmet, ohne den es die Ausstellung nicht geben würde. Seine Mitglieder bargen auch Reste der Schaumstoffmauer aus der Bunkerszene des Films ›Die Olsenbande fährt nach Jütland‹. Sie sind ebenso zu bewundern wie ein originaler Teppich aus Yvonnes Wohnung.
Weiter geht‘s durch den »Tuborg-Gang«: »Er ist eine Reminiszenz an die Szene, wo die Olsenbande einen Gabelstapler aus der Tuborg-Fabrik klauen will. Dazu schmuggeln sie einen Bierkasten einer anderen Firma zwischen die Tuborg-Paletten und lenken so die Arbeiter ab.« Der Gang führt in den Raum für die Mitarbeiter und Schauspieler der Olsenbande. »Jeder hat eine eigene Vitrine, die auch Exponate enthält, die über die Olsenbande hinausgehen«, erklärt Altendorf. »Denn sie haben alle noch andere Dinge gemacht: Benny-Darsteller Morten Grunwald ist seriöser Theaterdarsteller und Beckett-Spezialist, Kjeld alias Poul Bundgaard war Tenor, von ihm gibt es über 200 Musical- und Operetten-Platten«. Neben einem Original-Kostüm von Egon aus dem letzten Film ›Der (wirklich) allerletzte Streich der Olsenbande‹ finden sich sowohl alle dänischen Olsenbanden-Filmplakate als auch Filmplakate, die sich anderweitig auf die Beteiligten beziehen. »Hier wird deutlich, wie klein, aber wie wichtig die dänische Filmindustrie ist«, so Altendorf. »Zu ihr gehört auch Lars von Trier, der den letzten Olsenbanden-Film mitfinanziert hat. Der Szenenbildner wiederum hat für Lars von Triers ›Europa‹ das Szenenbild gemacht.« Ziel der Ausstellung sei es, Filmgeschichte über die Olsenbande hinaus zu erzählen, etwa über die dänische Filmgeschichte der Nachkriegszeit. »Und Weltfilmgeschichte entdeckt man, wenn die Olsenbanden-Filme andere Filme zitieren, etwa von Charlie Chaplin, Billy Wilder oder Alfred Hitchcock. Das sind witzige, aber immer respektvolle Referenzen.«
Von den Mitarbeitern war Regisseur Erik Balling eine zentrale Figur in Dänemark. Ebenso wie Henning Bahs, sein Drehbuchautor und Szenenbildner. Und natürlich Bent Fabricius-Bjerre, der Komponist der Titelmelodie. »Der ist eine internationale Pop-Ikone, er hatte in den 60er-Jahren mit ›Alley Cat‹ für 18 Wochen einen Hit in den US-Charts.« Der Musiker ist inzwischen über 90 Jahre alt, tourt aber immer noch um die ganze Welt. »Wir haben ihn nach Potsdam eingeladen, aber er sagte, er habe keine Zeit, er sei auf Konzertreise.« Und such Kostümbildnerin Lotte Dandanell hat eine Vitrine, denn mit den Kleidern, die sie für Yvonne entworfen hat, hat sie die Olsenbande entscheidend mitgeprägt.
Die Sonderausstellung wird umrahmt von einem tollen Begleitprogramm. Unter anderem sind einige Protagonisten der Olsenbande persönlich vor Ort. Neben Lotte Dandanell wird auch Morton Grunwald (Benny) am 3. Juli der Eröffnung beiwohnen. Und am 13. Oktober findet ein Konzert mit Børge-Darsteller Jes Holtsø statt. Im November ist der Sohn von Ove Sprogøe (Egon) in Potsdam zu Gast. Er ist selbst Schauspieler und stellte beispielsweise in ›Olsenbande Junior‹ quasi den Vater seines Vaters dar. Zudem war er bei einigen Olsenbanden-Filmen Regie-Assistent. »Er hat erzählt, dass sein Vater sehr filmgeschichtsverbunden war«, erzählt Guido Altendorf. »Dieser hat Anfang der 70er-Jahre mit ihm als kleinem Jungen oft die fast vergessene Asta Nielsen besucht. Und Asta Nielson ist die Mutter von Babelsberg, denn für sie wurde das Studio 1912 gebaut. So zieht die Ausstellung immer wieder Linien zur Filmgeschichte.« Kjeld-Darsteller Poul Bundgaard hatte seinen ersten Filmauftritt im Alter von drei Monaten, als Baby in einem Pat-und-Patachon-Stummfilm. »Der lief 1923 auch in Deutschland, da konnte man Kjeld also schon im Kino sehen.«
Übrigens: Verlässt man als Besucher die Ausstellung, muss man zurück zur »Gefängnis-Schleuse«, sodass man letztlich wieder im Knast landet – genau wie Egon Olsen.

 

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