Die Sommersonne bringt gesellige Abende mit lieben Menschen, abenteuerliche Reisen und eine Fülle von Kräutern und Heilpflanzen. Meine Freunde lachen, meine Familie rollt mit den Augen, wenn in jedem Winkel unserer Wohnung Kräuter und Blüten zum Trocknen liegen. Königskerzenblüten, Spitzwegerichblätter, Beifußkraut und Zitronenmelisse – alles wird getrocknet, damit ich meine Vorräte mit der Fülle des Sommers aufpeppen kann.
Natürlich gibt es Pflanzen, die ich besonders mag. In den Sommermonaten fällt es mir allerdings schwer mich zu entscheiden. Alles duftet so wunderbar! Und doch hat es mir in diesem Jahr das Johanniskraut besonders angetan. Wenn die Sonne am höchsten steht und am längsten scheint, dann steht es da, aufrecht und an besonders sonnigen Standorten. Hier sammelt das kleine Kraut die erhellende Kraft des Sommers ein. Es ist für mich Pflanze gewordenes »Sonnengold«.
Gold faszinierte die Menschen schon immer – ist es doch das einzige Metall, das aus sich heraus glänzt. Es steht für materiellen Reichtum, und auch für die göttliche Selbsterkenntnis. Um Gold herzustellen benötigt man den Stein der Weisen, ein Allheilmittel, das unsterblich macht. Darum versuchten wohl Generationen von Alchemisten, dieses Geheimnis zu lüften.
So steht das Johanniskraut auf der Sommerwiese und sammelt die Sonne ein, um dann aus sich heraus zu strahlen (wer schon einmal eine Johanniskrautblüte genau betrachtet hat, wird verstehen was ich meine). Es bewahrt die fröhliche Lebenslust, die muntere Geselligkeit, den entschlossenen Tatendrang oder einfach die Magie des Sommers für uns und bildet einen Stoff mit dem Namen Hypericin. Und wenn uns im Winter das Seelenlicht verloren geht und wir melancholisch und lustlos auf dem Sofa sitzen bleiben, dann kann ein Tee aus Johanniskraut wahre Wunder vollbringen – so weiß es die Volksheilkunde zu berichten. Denn das Hypericin verändert unseren Lichtstoffwechsel, es knippst quasi unsere innere Sonne wieder an, vertreibt die Dunkelheit und Selbstzweifel und wirkt ausgleichend auf unsere Seele. Das kleine Kraut kräftigt die Nerven, macht stressresistent und verhilft zu einer inneren Gelassenheit.
Ein Öl-Auszug der Pflanze, sogenanntes Johanniskraut-Rotöl, ist zudem als schmerzlindernde Einreibung bei Muskelverspannungen, leichten Verbrennungen und Neuralgien bekannt (siehe folgendes Rezept).

Rezept

Johanniskraut-Rotöl
Blüten und Blätter kurz vor und während der Blüte im Juli sammeln und in einem gutem Öl ansetzen. Ich verwende etwa ein Bio-Olivenöl. Den Ansatz in die Sonne stellen und so lange ziehen lassen, bis es rot wird. Dann abseihen und in dunkle Flaschen füllen.
In der Kosmetik wird es als Hautpflegemittel verwendet. Es beruhigt entzündete, rissige Haut, regeneriert und aktiviert den Hautstoffwechsel. Die Volksheilkunde kennt die wohltuende Wirkung bei leichten Verbrennungen und Schmerzen.

Aber Achtung!
Johanniskraut macht lichtempfindlich und sollte im Sommer nur mit Vorsicht eingenommen werden. Außerdem verändert es die Wirkung schulmedizinischer Medikamente. Die Einnahme gegebenenfalls mit dem Arzt abgeklärt werden.

Heilpraktikerin
Susanne Hackel

T (0176) 22 67 77 45
www.susannehackel.de

 

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