Foto: Edda Gutsche

Mitteleuropa ist die Heimat der Buchen. Einer der fünf deutschen Buchenwälder, die im Juni 2011 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurden, ist der Grumsin in der Uckermark. Natur- und Wanderfreunde finden hier ein Paradies vor, das zu jeder Jahreszeit reizvoll ist: Im Frühling ist der Wald ein lichtgrüner Buchendom mit blühendem Sauerklee und Veilchen auf dem Erdboden. Im Sommer spenden die dichten Baumkronen Schatten, im Herbst tragen sie flammendes Kupferlaub und im Winter beeindruckt ihr filigranes Geäst. Der Grumsin ist der größte zusammenhängende Tieflandbuchenwald der Erde. 1990 wurde das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ausgewiesen. Der Grumsin wurde Naturentwicklungszone: auf 560 Hektar darf hier Urwald entstehen.
Geschützt wird allerdings nicht nur der alte Buchenwald, sondern die nacheiszeitliche Landschaft. Das Inlandeis hat alles neu geformt. Riesige Gletscher schoben Gestein, Sand, Kies und anderes Material mit. Wo sie zum Stillstand kamen, entstanden die Höhenzüge der Endmoränen mit ihren tiefen Senken. Auch der Grumsin ist ein Endmoränenzug und daher landschaftlich sehr abwechslungsreich. Die höchste Erhebung im Biosphärenreservat ist der 139 Meter hohe Blocksberg. In den Senken träumen kleine Seen, Moore und Erlbrüche. 35 Baumarten gibt es im Grumsin. In vergangenen Jahrhunderten wurden großkronige Eichen nicht gefällt, um mit den Eicheln die Schweine zu mästen, die von den Bauern in den Wald getrieben wurden. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden der Wald durch Menschenhand verjüngt und Entwässerungsgräben angelegt, um die Holzanbauflächen zu erweitern. Die Buche dominierte den Wald von Anfang an. Zwecks schneller Holzgewinnung wurde auch die Kiefer angebaut. In der Zeit der DDR erfolgte die Holznutzung größtenteils extensiv, seit 20 Jahren ist sie eingestellt.
Die ältesten Grumsiner Buchen sind etwa 180 Jahre alt und so hoch wie elfstöckige Häuser. Die Rotbuche kann als einziger Baum selbst Bestände ausbilden. Durch ihre dichte Krone lässt sie nur sehr wenig Licht zum Boden, wodurch es kaum eine andere Baumart schafft, unter ihr hochzuwachsen. Dies heißt jedoch auch, dass der eigene Nachwuchs schattentolerant sein muss. Alte Buchenwälder sind eine Art »Samenbank«, fangen sie doch die Pollen von allen umliegenden Pflanzen auf und bewahren so die Arten vor dem Untergang. Nach Meinung der Forscher bilden im Grumsin über 10.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten eng verflochtene Lebensgemeinschaften. Eine Grundlage für die biologische Vielfalt ist das Totholz, das von Pilzen zersetzt wird. Die Pilzgeflechte dienen wiederum hoch spezialisierten Käferarten als Nahrung. Mehr als 800 verschiedene Käfer wurden im Buchenwald Grumsin registriert, darunter Eremit, Balkenschröter und Kopfhornschröter. In starke Buchenstämme meißeln die Schwarzspechte ihre Bruthöhlen. Zwanzig Tage brauchen sie dazu und machen sich dennoch in jedem Frühjahr von neuem an die Arbeit. In die verlassenen Höhlen ziehen Hohltauben, Fledermäuse oder Schellenten ein. Im Grumsin brüten auch Seeadler, Kraniche und ein Schwarzstorchpaar. Zu den geschützten Pflanzenarten, die hier vorkommen, gehört das Bleiche Waldvöglein. In den Wasseraugen der Moore gedeihen Wasserfeder, Schlammsegge, Sumpf-Porst und Sumpf-Calla.
Mehrere hundert Jahre lang wurde das Waldgebiet von den jeweils Herrschenden bejagt. Die brandenburgischen Markgrafen ließen sogar einen 70 Kilometer langen Wildzaun errichten, damit das Wild nicht ins Pommersche überwechseln konnte. Die Zaunsetzer und -wärter lebten im kleinen »Dorf« Grumsin – durch sie ist dieser Ort entstanden. Ein anderes Gewerk war das der Steinschläger, das in der steinreichen Schorfheide verbreitet war. Bis 1967 gab es im Grumsin noch Steingruben. Am Berliner Platz wurden die Steine gelagert, bis sie abtransportiert wurden. Heute erinnern die markierten Wegsteine daran. Durch den Grumsin führen mehrere ausgeschilderte Wanderrouten von unterschiedlicher Länge. Wer den Wald in seiner ganzen Vielseitigkeit erleben und seine Geheimnisse ergründen möchte, sollte sich einer geführten Expedition anschließen. Mit einem zertifizierten Natur- und Landschaftsführer oder einem Ranger der Naturwacht Brandenburg erfährt der Besucher viel Wissenswertes, zum Beispiel über die Schlüsselrolle der meist im Untergrund wirkenden Pilze. Auskunft über die einzelnen Touren erteilt die Touristinformation Angermünde, die auch die Anmeldungen dafür entgegennimmt.
Im Angermünder Ortsteil Altkünkendorf befindet sich in einem Fachwerkhaus gleich neben der Kirche der Informationspunkt Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin. Lohnenswerte Ziele in der Umgebung sind das NABU-Informationszentrum Blumberger Mühle sowie das Informations- und Besucherzentrum Geopark Eiszeitland am Oderrand in Groß-Ziethen.

Touristinformation Angermünde
T (03331) 297 660

Informationspunkt Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin
T (0175) 93 28 17 8
geöffnet Mi–So und feiertags 10–16 Uhr

NABU-Informationszentrum Blumberger Mühle
T (03331) 2604-0
www.blumberger-muehle.de

Informations- und Besucherzentrum Geopark Eiszeitland
am Oderrand in Groß-Ziethen
T (01573) 13 59 02 3
M eiszeit-ziethen@gmx.de
www.schorfheide.de

 

Kommentare sind geschlossen.