Die Decken können wieder ausgebreitet, die Liegestühle aufgestellt werden: Das ›Café Eden‹ am lauschig-wilden Rand von Sanssouci lädt in die neue Saison. Eigentlich war dieses Freiluft-Projekt direkt hinter dem Kuhtor nur als einmalige Sommerlaune gedacht: im Zuge der Open-Air-Ausstellung ›Paradiesapfel‹ der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Doch der große Zuspruch der Potsdam-Westler und der Touristen forderte eine Neuauflage geradezu ein. Und so startet Betreiber Justus von der Werth hochmotiviert und mit Stiftungsverstärkung im Rücken in die zweite Saison.
Karfreitag ist Start: von 12 Uhr mittags bis in die Dämmerung hinein. Nur bei wirklich schlechtem Wetter bleiben die Luken der kleinen rotbraunen Verkaufshütte mit dem Klappbalkon, die Justus von der Werth selbst entworfen und zusammengezimmert hat, geschlossen. Ansonsten gibt es von Dienstag bis Sonntag Kuchen von ›Bäcker Braune‹, Grillkäse und -gemüse und knackige Bio-Bratwürste. Für die hatte im vergangenen Jahr auch eine Krähe ihr Herz entdeckt und so entspann sich ein regelrechter Kampf um die Wurst. »Wir mussten über den heißen Grill noch ein weiteres Rost legen und selbst da pickte die Krähe von der Seite aus zu.« Am Ende griff Justus von der Werth zur Wasserspritzpistole und ging als Sieger hervor. »Mal sehen, ob die Krähe, die dank unserer Wurst eine kräftige Familie aufziehen konnte, nun mit vereinten Kräften das Rost wegträgt«, scherzt der Architekt, Maler und Sommergastronom, der auch schon einschlägige Erfahrung beim Bewirtschaften der ›Theaterklause‹ gesammelt hat und sich vielleicht auch an der Ausschreibung zum dortigen Neustart beteiligt.
Jetzt aber wartet auf ihn erst einmal die ›Café Eden‹-Freiluftsaison und da sind Arbeitswochen von achtzig Stunden nicht selten. »Dennoch war das vergangene Jahr einfach traumhaft: für die Gäste und für mich.« Er spürt an diesem Ort am Fließ, an dem sich die alten Bäume mit ihren schweren Ästen über das Wasser beugen und auch mal eine Schwanenfamilie anlegt, den Geist der Spätromantik. »Hier kann jeder ganz individuell der Natur begegnen. Vor allem kurz vor Sonnenuntergang. Eine Stimmung wie bei Caspar David Friedrich.« Früher wurden auf diesem idyllischen »Hof« der Alten Meierei Kühe vorbeigetrieben. Heute blühen auf der Wiese Gänseblümchen, und der Duft von frisch gebrühten Kaffee breitet sich aus. Das Konzept bleibt das gleiche wie im Vorjahr, nur der Tanzboden für die Tango-Abende musste aus gartenkonservatorischen Gründen entfernt werden, ebenso wie die Stroh-Kiste. Justus von der Werth weiß: Das ist ein sensibler Ort. Aber auch ein paradiesischer und dafür muss man auch Kompromisse eingehen. [Heidi Jäger]

›Café Eden‹, Lennéstraße 32
geöffnet bis Ende Oktober

www.eden-potsdam.de

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