mrw_02Nach einem Urteil des Landgerichts München ist Grillen in den Sommermonaten üblich und muss, wenn nicht die Wesentlichkeitsgrenze überschritten wird, generell geduldet werden. Wollen Mieter auf dem Balkon oder auf der Terrasse Grillen, ist zunächst ein Blick in den Mietvertrag notwendig. Denn das Grillen auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses kann nach einem Urteil des Landgerichts Essen vertraglich insgesamt sowohl mit dem Holzkohlegrill als auch mit dem Elektrogrill verboten werden. Ist im Mietvertrag ein Grillverbot nicht vereinbart, ergibt sich aus den Gesamtumständen, ob und wie oft gegrillt werden darf. Zu berücksichtigen ist dabei, ob ein Holzkohlegrill oder ein Elektrogrill benutzt wird. Außerdem ist u.a. die räumliche Nähe des betriebenen Grills zu den anderen Wohnungen sowie die Anzahl der Wohnungen und damit der potentiellen Freizeitgriller mitbestimmend, wie oft im Jahr gegrillt werden darf. So wird zum Beispiel die Ansicht vertreten, dass ein Grillen mit dem Holzkohlegrill im eigenen Mietergarten zur Erdgeschoßwohnung nicht zu beanstanden ist, wenn die Nachbarn nicht unzumutbar belästigt werden (Amtsgericht Wedding). Das Grillen mit Holzkohle auf dem Balkon hingegen soll nach einer Entscheidung des Amtsgerichts Hamburg durch Nachbarn nicht hinzunehmen sein. Anders sah es das Amtsgericht Bonn, wonach Mieter in einem Mehrfamilienhaus in der Zeit von April bis September einmal monatlich auf dem Balkon oder der Terrasse mit Holzkohle grillen dürfen, wenn sie die unmittelbaren Nachbarn, die durch das Grillen zwangsläufig belästigt werden, 48 Stunden vorher darüber informiert haben. Das Amtsgericht Bonn berücksichtigte dabei, dass beim Grillen mit Holzkohle Belästigungen durch Rauchgasentwicklung, Fett- und Bratendünste insbesondere dann entstehen, wenn sich der Rauch über die geöffneten Fenster in der Wohnung niederschlägt und deswegen eine schwer weg zu lüftende und lästige Geruchsbeeinträchtigung auftritt. Nach einem Urteil des OLG Düsseldorf ist zu beachten, dass konzentrierter Qualm, der in Wohn- oder Schlafräume des Nachbarn eindringt, sogar ein Verstoß gegen das Landesimmissionsschutzgesetz darstellen kann und dem Störer ein Bußgeld einbringt. Das Grillen ausschließlich mit Elektrogrillgeräten wird in einer höheren Anzahl von Grillgängen möglich sein, weil keine so erheblichen Rauch- bzw. Geruchsbelästigungen auftreten, wie es bei Holzkohlegrillgeräten der Fall ist. [RA Benedikt Nowak]

Mieterverein Potsdam und Umgebung e.V.
www.mieterverein-potsdam.de

Kommentare sind geschlossen.