Ehegatten setzen sich häufig in einem so genannten Berliner Testament wechselseitig zu Alleinerben ein und bestimmen meistens ihre leiblichen Kinder als Schlusserben. Leider wird häufig versäumt, Regelungen für den Fall zu treffen, dass die Ehe vor dem ersten Erbfall geschieden wird.

Missverständnisse oftmals vorprogrammiert
Der Laie geht in diesem Fall davon aus, dass das Berliner Testament mit dem Fall der Scheidung gegenstandslos sei. Das Gesetz sieht dies jedoch ganz anders. Gemäß § 2268 Abs. 2 BGB ist vorgesehen, dass das Testament weiterhin wirksam bleibt, wenn anzunehmen ist, dass die testamentarische Verfügung auch für den Fall der Scheidung gelten soll.
Was wollen die Ehegatten wirklich?
Nicht selten bringen die Ehegatten bei Abfassung des Berliner Testaments ihre besondere persönliche Verbundenheit mit den Schlusserben zum Ausdruck, was dafür sprechen kann, dass man unabhängig von einer Umbruchsituation im späteren Leben diese testamentarische Regelung für alle Zeiten wünscht. Das OLG Düsseldorf hatte u.a. in einem Urteil vom 15.04.2011 (MDR 2011, 1299) einen solchen Fall zu entscheiden und kam zu dem Ergebnis, dass das Berliner Testament auch nach der Scheidung der Ehegatten unter Verweis auf § 2268 Abs. 2 BGB Wirkung entfalten sollte.
Unklarheiten beseitigen
Im Falle der Scheidung sollten sich daher die Ehegatten darüber Gedanken machen, ob das Testament dann noch gelten soll oder nicht. Vor dem Tod des Erstversterbenden kann das Berliner Testament von jedem Ehegatten frei widerrufen werden. Dies muss jedoch auch geschehen, da andernfalls die Gefahr besteht, dass ein zeitlich weit zurückliegendes Berliner Testament trotz vollständiger Änderung der Lebensentwürfe noch Jahrzehnte später zum Tragen kommen kann. Somit gilt als Motto: »Prüfe, wer sich ewig scheidet, ob man künftig noch als Erbe leidet«.

RA Dr. Thorsten Purps
Fachanwalt für Erbrecht, zertifizierter Testamentsvollstrecker
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